Ein Hufeisen im Wert von € 10.000,-?
09.2009
Wenn wir einmal ehrlich sind: Wer hat beim Kauf eines Pferdes je zuerst den Blick auf dessen Hufe gerichtet, bevor er sich von seinem hübschem Kopf oder Olsberg. Wenn sich die Fachleute zum „Internationalen Hufbeschlagforum” treffen, so wie jetzt in Olsberg, dann geht es familiär zu. Um so entsetzter waren die Veranstalter, dass am Samstag der Prototyp eines Eisens im Wert von 10 000 Euro gestohlen wurde.
Der Fachfremde jedoch wundert sich: Was macht ein Hufeisen so teuer?
Tierärzte, Interessierte und vor allem Schmiede kommen bei der zweitägigen Fachveranstaltung zusammen. Sie besuchen Fortbildungen und Vorträge und nutzen die Pausen, um sich auf einer Messe über neue Produkte zu informieren. Die holländische Firma Werkman ist eine der Firmen, die in Olsberg ihre Produkte gezeigt hat. Chefin Christel Werkman war selber vor Ort, als das Eisen gestohlen wurde. „Wir waren nur wenige Minuten vom Stand weg”, erinnert sie sich. „Ich finde es schockierend und unglaublich, dass Menschen auf diese Art und Weise Geschäfte machen”, fügt sie hinzu. Denn eines ist klar: „Die Schmiede haben während der Zeit des Diebstahls einen Vortrag besucht, es kann also nur ein Konkurrent gewesen sein.” Die Firma hatte einen Wettbewerb unter Schmieden ausgeschrieben, um genau dieses Hufeisen zu entwickeln. Herausgekommen ist ein neuartiges Eisen für Sportpferde, dass der Hersteller auf der Messe präsentieren wollte. „Da steckt soviel an Entwicklungsarbeit drin”, sagt Christel Werkman. „Dazu kommen Kosten für Zeichnungen, und Formen, die bereits gegossen sind. Außerdem haben wir Gespräche mit Schmieden geführt und das Eisen immer weiterentwickelt.” So erklärt sich der Preis des Prototypen. Wenn jetzt wirklich ein Konkurrent das Eisen in Händen hält, hätte der genau diese kostenintensive Arbeit gespart, müsste das Eisen nur noch kopieren. Dem will die Firma Werkman zuvor kommen. „Wir müssen jetzt ganz schnell sein und das neue Eisen auf den Markt bringen.” Heinz Breddemann, einer der Veranstalter, ist entsetzt, das so etwas in der Gemeinschaft des Treffens passieren kann. Aber er ist überzeugt: „Sobald eine andere Firma einen Nachbau des Eisens auf den Markt bringen würde, würde sie damit auffliegen.” Dann wäre der Dieb ertappt.
Quelle: Der Westen